Aquaplaning entsteht, wenn sich zwischen Reifen und Fahrbahn ein Wasserfilm bildet, den das Profil nicht mehr verdrängen kann. Der Reifen schwimmt auf, das Auto lässt sich weder lenken noch bremsen. Die wichtigsten Ursachen sind zu hohe Geschwindigkeit, abgefahrene Reifen und stehendes Wasser, etwa in Spurrinnen. Kommt es dazu, gilt: auskuppeln, das Lenkrad gerade halten und nicht bremsen, bis die Reifen wieder greifen.
Das Wichtigste in Kürze
- Aquaplaning tritt auf, wenn die Reifen mehr Wasser verdrängen müssten, als ihr Profil aufnehmen und ableiten kann.
- Das Risiko steigt mit der Geschwindigkeit, mit der Wassertiefe und mit sinkender Profiltiefe.
- Gesetzlich sind 1,6 mm Profil vorgeschrieben, Fachleute empfehlen für Sommerreifen mindestens 3 mm.
- Richtig reagieren: auskuppeln oder Fuß vom Gas, Lenkrad gerade halten, nicht bremsen.
- Nach einem Unfall durch Aquaplaning haftet in der Regel der Fahrer, weil er seine Geschwindigkeit der Nässe anpassen muss (§ 3 Abs. 1 StVO).
Wie Aquaplaning entsteht
Ein Reifen muss bei Regen ständig Wasser zur Seite und nach hinten wegleiten, damit die Lauffläche Kontakt zur Straße behält. Dafür sorgen die Rillen im Profil. Je schneller das Auto fährt, desto mehr Wasser muss der Reifen in kürzerer Zeit verdrängen. Ab einem bestimmten Punkt schafft er das nicht mehr. Vor dem Reifen staut sich ein Wasserkeil, der ihn anhebt. Der Reifen verliert die Haftung und gleitet auf dem Wasser.
Weil die Reifen nicht mehr auf der Straße aufliegen, wirken weder Lenkung noch Bremse. Auch ABS und ESP können in diesem Moment nichts ausrichten, denn sie brauchen Haftung zwischen Reifen und Fahrbahn, um wirken zu können.
Oft schwimmt zunächst nur ein Rad oder eine Achse auf. Gerät etwa nur die linke Fahrzeugseite in eine Pfütze, zieht das Auto zur Seite. Schwimmen die Vorderräder auf, reagiert das Auto nicht mehr auf Lenkbewegungen. Schwimmen die Hinterräder auf, droht das Heck auszubrechen.
Ursachen: Geschwindigkeit, Reifenprofil, Fahrbahn
Drei Faktoren entscheiden darüber, ob es zu Aquaplaning kommt.
Geschwindigkeit. Sie ist der Faktor, den Sie selbst am stärksten beeinflussen. Je höher das Tempo, desto weniger Zeit bleibt dem Reifen, das Wasser abzuleiten. Eine feste Grenze gibt es nicht, weil Wassertiefe, Reifen und Fahrzeug zusammenspielen. Bei starkem Regen sollten Sie deutlich langsamer fahren als auf trockener Straße.
Reifenprofil. Tiefe Rillen nehmen viel Wasser auf, flache wenig. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm (§ 36 Abs. 2 StVZO). Für Nässe ist das knapp. Fachleute empfehlen, Sommerreifen spätestens bei 3 mm und Winterreifen bei 4 mm zu ersetzen. Auch zu niedriger Luftdruck und sehr breite Reifen erhöhen die Neigung zum Aufschwimmen. Was für Winterreifen gilt, steht im Beitrag Winterreifen.
Fahrbahn. Gefährlich sind Stellen, an denen Wasser stehen bleibt: Spurrinnen auf viel befahrenen Straßen, Senken, Unterführungen und Abschnitte, an denen die Straße von einer Seite zur anderen kippt und das Wasser nur langsam abläuft. Das Verkehrszeichen 114 warnt vor Schleuder- oder Rutschgefahr bei Nässe. Häufig gilt dort zusätzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit dem Zusatz "bei Nässe".
| Faktor | Erhöht das Risiko | Senkt das Risiko |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | hohes Tempo bei Regen | Tempo deutlich reduzieren |
| Reifen | wenig Profil, zu niedriger Luftdruck | ausreichend Profil, korrekter Luftdruck |
| Fahrbahn | Spurrinnen, Senken, Pfützen | Spurrinnen meiden, Wasserflächen erkennen |
Warnzeichen erkennen
Aquaplaning kündigt sich oft kurz vorher an. Die Lenkung fühlt sich plötzlich leicht und schwammig an, weil der Widerstand der Reifen fehlt. Bei Schaltwagen steigt die Motordrehzahl kurz an, weil die Antriebsräder durchdrehen. Das Abrollgeräusch der Reifen verändert sich, das Rauschen des Wassers wird lauter. Ein weiteres Zeichen: Fahrzeuge vor Ihnen ziehen keine sichtbare Spur mehr durch das Wasser, die Fahrbahn wirkt spiegelglatt.
Wer diese Zeichen bemerkt, sollte sofort vom Gas gehen, solange die Reifen noch greifen.
Richtig reagieren bei Aquaplaning
Schwimmt das Auto bereits auf, kommt es auf ruhige Reaktionen an:
- Auskuppeln oder Fuß vom Gas. Bei Schaltwagen treten Sie die Kupplung, bei Automatik nehmen Sie den Fuß vom Gas. So verlieren die Antriebsräder keine weitere Haftung durch Antriebskraft.
- Lenkrad gerade halten. Lenken Sie nicht gegen. Greifen die Reifen wieder, während die Räder eingeschlagen sind, springt das Auto in diese Richtung.
- Nicht bremsen. Eine Bremsung auf dem Wasserfilm bewirkt nichts und kann das Auto beim Wiederaufsetzen der Reifen ins Schleudern bringen.
- Abwarten, bis die Reifen greifen. Mit sinkender Geschwindigkeit setzen die Reifen wieder auf. Erst dann vorsichtig lenken und bremsen.
Ist das Auto bereits ins Schleudern geraten und droht ein Aufprall, ist eine Vollbremsung richtig, damit das Fahrzeug so viel Geschwindigkeit wie möglich abbaut.
Vorbeugen ist einfacher als reagieren. Fahren Sie bei Starkregen langsamer, meiden Sie Spurrinnen, indem Sie leicht versetzt fahren, und vergrößern Sie den Abstand zum Vordermann. Auf nasser Straße verlängert sich der Bremsweg, wie der Beitrag Bremsweg und Anhalteweg zeigt. Wie viel Abstand Sie halten sollten, erklärt der Beitrag Sicherheitsabstand.
Unfall durch Aquaplaning: wer haftet
Nach § 3 Abs. 1 StVO muss der Fahrer seine Geschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen anpassen. Gerät ein Auto ins Aufschwimmen, gehen Gerichte deshalb in der Regel davon aus, dass der Fahrer zu schnell für die Nässe war. Aquaplaning gilt nicht als unvorhersehbares Ereignis, das den Fahrer entlastet. Mit Regen und stehendem Wasser muss jeder rechnen.
Schaden anderer. Verursachen Sie durch Aquaplaning einen Unfall, reguliert Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden der anderen Beteiligten. Ihr Vertrag wird danach in der Regel in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft.
Eigener Schaden. Den Schaden am eigenen Auto übernimmt nur die Vollkasko. Die Teilkasko zahlt bei einem selbst verschuldeten Unfall nicht. Den Unterschied erklärt der Beitrag Teilkasko oder Vollkasko. Fuhr der Fahrer mit stark abgefahrenen Reifen oder deutlich zu schnell, kann die Vollkasko ihre Leistung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG), sofern der Tarif keinen Verzicht auf diesen Einwand enthält.
Schlechter Straßenzustand. Ausnahmsweise kann der Träger der Straßenbaulast mithaften, wenn er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat, etwa bei tiefen Spurrinnen ohne Warnschild oder Geschwindigkeitsbegrenzung. Solche Ansprüche sind schwer durchzusetzen, weil Autofahrer sich auf erkennbare Gefahren einstellen müssen.
Unverschuldet betroffen. Kommt Ihnen ein Fahrzeug durch Aquaplaning entgegen oder fährt auf Sie auf, haftet in der Regel der Unfallgegner. Seine Haftpflichtversicherung zahlt dann Ihren Schaden, in der Regel auch das Gutachten eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen, ausgenommen Bagatellschäden und Fälle mit Mitschuld.
Weitere Themen zur Vorbeugung finden Sie in der Übersicht Unfälle vermeiden.
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Häufige Fragen
Was ist Aquaplaning?
Aquaplaning bedeutet, dass die Reifen auf einem Wasserfilm aufschwimmen und den Kontakt zur Fahrbahn verlieren. Das Auto lässt sich dann weder lenken noch bremsen, bis die Reifen wieder greifen.
Ab welcher Geschwindigkeit droht Aquaplaning?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Sie hängt von Wassertiefe, Profiltiefe, Reifenbreite und Luftdruck ab. Je höher die Geschwindigkeit, desto größer das Risiko. Bei starkem Regen sollten Sie deutlich langsamer fahren.
Wie verhalte ich mich bei Aquaplaning richtig?
Auskuppeln oder den Fuß vom Gas nehmen, das Lenkrad gerade halten und nicht bremsen. Erst wenn die Reifen wieder greifen, vorsichtig lenken und bremsen.
Wie viel Profil brauchen Reifen gegen Aquaplaning?
Vorgeschrieben sind 1,6 mm. Fachleute empfehlen für Sommerreifen mindestens 3 mm und für Winterreifen mindestens 4 mm, weil flaches Profil kaum noch Wasser ableitet.
Wer zahlt bei einem Unfall durch Aquaplaning?
Den Schaden anderer Beteiligter zahlt die Kfz-Haftpflicht des Fahrers, der ins Rutschen geraten ist. Den eigenen Schaden übernimmt nur die Vollkasko. Sie kann bei grober Fahrlässigkeit kürzen, etwa bei abgefahrenen Reifen.
Hilft ESP gegen Aquaplaning?
Nein. ESP und ABS brauchen Haftung zwischen Reifen und Fahrbahn. Schwimmt das Auto auf, können sie nicht eingreifen. Erst wenn die Reifen wieder greifen, unterstützen die Systeme.
Ist Aquaplaning höhere Gewalt?
In der Regel nicht. Mit Regen und stehendem Wasser muss jeder Fahrer rechnen und seine Geschwindigkeit anpassen (§ 3 Abs. 1 StVO). Deshalb haftet nach einem Unfall meist der Fahrer, dessen Fahrzeug aufgeschwommen ist.
Dieser Text ist nicht als verbindliche Rechtsauskunft zu verstehen, sondern enthält die persönliche Meinung des Autors, basierend auf recherchierten Inhalten, Urteilen und Gesetzen zum Thema.