Sicher Auto fahren: die häufigsten Unfallursachen vermeiden

Die meisten Verkehrsunfälle gehen auf wenige wiederkehrende Ursachen zurück: zu geringer Abstand, zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung, Müdigkeit, Alkohol und ein Fahrzeug, das nicht zur Jahreszeit oder zum Wetter passt. Wer diese Risiken kennt, kann die meisten von ihnen selbst ausschalten. Diese Übersicht stellt alle Präventionsthemen kurz vor und verweist jeweils auf den ausführlichen Beitrag. Dazu kommen die rechtlichen Folgen, die ein Fehler am Steuer für Führerschein, Haftung und Versicherung haben kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ausreichender Abstand und angepasste Geschwindigkeit verhindern die meisten Auffahrunfälle. Faustregel außerorts: halber Tachowert in Metern.
  • Ablenkung durch das Handy, Müdigkeit und Alkohol verlängern die Reaktionszeit erheblich und sind zugleich Verstöße mit Bußgeld, Punkten oder Strafe.
  • Reifen, Licht, Bremsen und freie Sicht müssen zur Jahreszeit passen. Bei Glätte sind Winterreifen Pflicht.
  • Bei Dämmerung und auf Strecken mit Wildwechsel hilft nur eines: langsamer fahren und bremsbereit sein.
  • Wer grob fahrlässig handelt, riskiert neben dem Unfall auch Kürzungen der Kaskoversicherung und einen Regress der Haftpflicht.

Abstand, Geschwindigkeit und Bremsweg

Ein großer Teil der Unfälle entsteht, weil der Fahrer nicht rechtzeitig anhalten kann. Abstand, Tempo und Fahrbahnzustand hängen dabei eng zusammen.

Sicherheitsabstand

§ 4 Abs. 1 StVO verlangt einen Abstand, der auch bei plötzlichem Bremsen des Vordermanns ein Anhalten erlaubt. Als Faustregel gilt außerorts der halbe Tachowert in Metern, alternativ die Zwei-Sekunden-Regel. Wer deutlich zu dicht auffährt, zahlt ein Bußgeld, bei hohem Tempo drohen Punkte und ein Fahrverbot. Wie Sie den Abstand messen und welche Regeln innerorts gelten, steht im Beitrag Sicherheitsabstand.

Bremsweg und Anhalteweg

Der Anhalteweg setzt sich aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammen. Für die Fahrschule gelten einfache Formeln: Reaktionsweg (Geschwindigkeit / 10) x 3, Bremsweg (Geschwindigkeit / 10) x (Geschwindigkeit / 10). Bei doppeltem Tempo vervierfacht sich der Bremsweg. Rechenbeispiele und den Einfluss von Nässe zeigt der Beitrag Bremsweg und Anhalteweg.

Aquaplaning

Bei Aquaplaning schwimmt der Reifen auf einem Wasserfilm auf und verliert den Kontakt zur Straße. Begünstigt wird das durch hohe Geschwindigkeit und geringes Profil. Richtig reagieren heißt: auskuppeln, das Lenkrad gerade halten und nicht bremsen. Ursachen und die Haftung nach einem solchen Unfall erklärt der Beitrag Aquaplaning.

Sicht und Aufmerksamkeit

Wer eine Gefahr nicht oder zu spät sieht, kann nicht reagieren. Hier geht es um die Wahrnehmung des Fahrers.

Toter Winkel

Der tote Winkel ist der Bereich neben und hinter dem Auto, den weder Innen- noch Außenspiegel zeigen. Richtig eingestellte Spiegel verkleinern ihn, ausschalten lässt er sich nur mit dem Schulterblick. Besonders gefährlich ist er beim Abbiegen von Lkw neben Radfahrern. Mehr dazu im Beitrag Toter Winkel.

Sekundenschlaf

Müdigkeit kündigt sich durch Gähnen, schwere Lider und Konzentrationsprobleme an. Spätestens alle zwei Stunden sollten Sie eine Pause einlegen, bei Warnzeichen sofort. Ein Kurzschlaf von 10 bis 20 Minuten hilft am besten. Warnzeichen und rechtliche Folgen stehen im Beitrag Sekundenschlaf.

Handy am Steuer

Wer das Handy während der Fahrt in die Hand nimmt, verstößt gegen § 23 Abs. 1a StVO. Das kostet 100 Euro und einen Punkt, mit Gefährdung oder Sachschaden mehr, dazu ein Fahrverbot. Welche Folgen das für Haftung und Kasko hat, erklärt der Beitrag Handy am Steuer.

Alkohol am Steuer

Ab 0,5 Promille liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, ab 1,1 Promille eine Straftat (§ 316 StGB). Wer Ausfallerscheinungen zeigt, macht sich schon ab 0,3 Promille strafbar. In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt 0,0 Promille. Promillegrenzen, Regress und Kasko-Kürzung stehen im Beitrag Alkohol am Steuer.

Wetter, Jahreszeit und Wild

Viele Risiken kehren jedes Jahr zur gleichen Zeit wieder. Wer sich darauf einstellt, fährt sicherer.

Winterreifen

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht (§ 2 Abs. 3a StVO): Bei Glatteis, Schnee oder Matsch sind Reifen mit Alpine-Symbol vorgeschrieben. Die O-bis-O-Regel, also Oktober bis Ostern, ist eine Orientierung, kein Gesetz. Details zu Profil, Bußgeld und Unfallfolgen stehen im Beitrag Winterreifen.

Auto winterfest machen

Neben den Reifen gehören Batterie, Frostschutz für Kühler und Scheibenwaschanlage, Wischer, Licht und Türdichtungen auf die Prüfliste. Freie Sicht ist Pflicht (§ 23 StVO), ein Guckloch in der vereisten Scheibe reicht nicht. Die vollständige Liste finden Sie unter Auto winterfest machen.

Wildwechsel

Wild ist vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung unterwegs, besonders im April und Mai sowie im Oktober und November. Das Verkehrszeichen 142 markiert Strecken mit erhöhtem Risiko. Taucht ein Tier auf: bremsen, hupen, abblenden und nicht ausweichen. Mehr im Beitrag Wildwechsel.

Fahrzeug, Führerschein und Haftung

Sicherheit hängt auch davon ab, dass Fahrzeug und Fahrer die Voraussetzungen erfüllen. Fehler in diesem Bereich haben oft Folgen für die Versicherung.

Hauptuntersuchung nach Unfall

Nach einem Unfall können sicherheitsrelevante Mängel zurückbleiben, etwa an Lenkung, Fahrwerk oder Beleuchtung. Stellt der Prüfer bei der Hauptuntersuchung erhebliche Mängel fest, muss das Fahrzeug innerhalb eines Monats zur Nachprüfung. Was repariert sein muss und welche Rolle ein Reparaturnachweis spielt, steht im Beitrag Hauptuntersuchung nach Unfall.

Unfall in der Probezeit

Fahranfänger stehen in den ersten zwei Jahren unter besonderer Beobachtung. Ein schwerwiegender A-Verstoß oder zwei weniger schwerwiegende B-Verstöße führen zum Aufbauseminar und zur Verlängerung der Probezeit auf vier Jahre. Wer unverschuldet in einen Unfall gerät, begeht keinen Verstoß. Mehr im Beitrag Unfall in der Probezeit.

Führerschein vergessen

Wer den Führerschein nur nicht dabeihat, zahlt ein Verwarnungsgeld. Wer dagegen ohne gültige Fahrerlaubnis fährt, begeht eine Straftat nach § 21 StVG, mit Folgen auch für den Versicherungsschutz. Den Unterschied erklärt der Beitrag Führerschein vergessen.

Halterhaftung

Der Halter haftet für die Betriebsgefahr seines Fahrzeugs, auch wenn er selbst nicht am Steuer saß (§ 7 StVG). Wer sein Auto jemandem ohne Fahrerlaubnis überlässt, macht sich strafbar. Was gilt, wenn Sie Ihr Auto verliehen haben, steht im Beitrag Halterhaftung.

Wenn es trotzdem zum Unfall kommt

Auch wer vorsichtig fährt, kann durch den Fehler eines anderen in einen Unfall geraten. Dann zählen die ersten Minuten: Unfallstelle absichern, Verletzte versorgen, Polizei rufen, wenn nötig, und Beweise sichern. Die vollständige Checkliste für die Zeit direkt nach dem Unfall finden Sie im Beitrag Unfall: was tun?.

Bei einem unverschuldeten Unfall zahlt in der Regel die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners Ihren Schaden, auch das Gutachten eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen. Ausnahmen gelten bei Bagatellschäden und bei einer Mitschuld. Team Unfallhilfe vermittelt Ihnen in diesem Fall einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen in Ihrer Nähe.

Fragen zum Ablauf nach einem Unfall? Rufen Sie uns kostenfrei an: 0800 730 830 0.

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Unfallursachen?

Zu den häufigsten Ursachen zählen zu geringer Abstand, nicht angepasste Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen und Vorfahrtsfehler. Dazu kommen Ablenkung, Müdigkeit und Alkohol, die die Reaktionszeit verlängern.

Wie viel Abstand muss ich zum Vordermann halten?

So viel, dass Sie auch bei einer plötzlichen Bremsung anhalten können (§ 4 Abs. 1 StVO). Außerorts gilt als Faustregel der halbe Tachowert in Metern, bei 100 km/h also 50 Meter.

Wann ist das Unfallrisiko durch Wild am höchsten?

In der Morgen- und Abenddämmerung, besonders im April und Mai sowie im Oktober und November. Gefährlich sind vor allem Strecken an Wald- und Feldrändern, die oft mit Zeichen 142 gekennzeichnet sind.

Was hilft gegen Müdigkeit am Steuer?

Nur eine Pause, am besten mit einem Kurzschlaf von 10 bis 20 Minuten. Offenes Fenster oder laute Musik helfen nicht. Planen Sie auf langen Strecken spätestens alle zwei Stunden eine Pause ein.

Kann die Versicherung bei einem selbst verschuldeten Unfall kürzen?

Die Kaskoversicherung kann ihre Leistung bei grober Fahrlässigkeit kürzen, etwa bei Fahren mit Sommerreifen auf Schnee oder bei Übermüdung, sofern der Tarif keinen Verzicht auf diesen Einwand enthält. Bei Alkohol am Steuer kann die Haftpflicht zudem Regress nehmen.

Sind Fahrerassistenzsysteme ein Ersatz für eigene Aufmerksamkeit?

Nein. Abstands-, Spurhalte- und Totwinkelassistenten unterstützen den Fahrer, die Verantwortung bleibt aber bei ihm. Auch mit Assistenzsystemen gelten Abstand, Schulterblick und angepasste Geschwindigkeit.

Alle Beiträge zu Unfälle vermeiden

Über den Autor

Alexander Braunsdorf ist Kfz-Meister, Diagnosetechniker und von der IHK Potsdam öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung. Seit 2008 unterrichtet er an der Handwerkskammer Potsdam, seit 2010 in der Kfz-Meisterschule und im Prüfungsausschuss. Er erstattet Gutachten für Privatpersonen, Gerichte und Behörden in Potsdam, Berlin und Brandenburg.

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Dieser Text ist nicht als verbindliche Rechtsauskunft zu verstehen, sondern enthält die persönliche Meinung des Autors, basierend auf recherchierten Inhalten, Urteilen und Gesetzen zum Thema.